Schweiz 2017

Anreise

Abreise 09:30 Uhr ab Dresden Neustadt. Da Fahrradfest war, hatten wir Probleme, die Straße zu überqueren. Der Zug nach Leipzig war voll, wir hatten reserviert, mit unseren großen Koffern ist das Reisen in den engen Zügen beschwerlich. Umstieg in Leipzig. Unsere Plätze liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Gruppe lauter, restbetrunkener Männer, die Junggesellenabschied gefeiert hatten und bis Eisenach mitfuhren. Nervig. Zweiter Umstieg in Frankfurt. Von da aus nach Basel. Leider ist von der schönen Landschaft nicht viel zu sehen. Grau und regnerisch. In Basel sollen wir, so die Aussage der Deutschen Bahn, ein drittes Mal umsteigen. Außerplanmäßig. Dazu gab es eine Vorabinformation und wir sind zum Bahnhof gedackelt und haben die Zugbindung entfernen lassen. Jetzt, im Zug nach Basel, stellten wir fest, dass das alles Unsinn war, einzig die Zugnummer wurde geändert und wir konnten im Zug sitzen bleiben und entspannt bis Zürich fahren. In der wunderschönen, riesigen Bahnhofshalle haben wir erst einmal Bargeld abgehoben und kauften dann 2 Halbtax-Pässe, die uns berechtigten, alle Züge und auch den ÖPNV 50% preiswerter zu nutzen. 240 Franken. Dass der Bahnhof noch eine kleine Stadt im Untergeschoss beherbergt, merken wir erst am nächsten Tag. Dann ringen wir mit dem Ticketautomaten ein Straßenbahnticket ab und fahren zirka 20 Minuten nach Seebach ins Hotel Landhus. Das war preiswert und recht einfach, aber okay, wenn man Busbahnhöfe liebt. Nach dem Abendbrot (Reste Brötchen) gab’s noch eine Runde um den Block, bei der wir ein fantastisches Wohnviertel an der Hamilton Promenade besuchten. Da leben viele wohl sehr gut begüterte Menschen direkt an einem künstlich angelegten See mit Park. Staunen, staunen. Die 2. Reihe Wohn-Blocks hatte dann jedoch schon Gorbitz Charme.

Zürich

Das Frühstück war einfach, mit leckeren Brötchen, einer reichlichen Tasse Kaffee, aber wir konnten. Uns satt essen. Nach langem Überlegen, welche Tageskarte wohl die preiswerteste ist, ging es gegen 10:00 Uhr zur Stadtbesichtigung auf. Am Ticketautomaten entschieden wir uns für ein 09-Uhr Ticket, weil wir das preiswertere nicht hinkriegten. 2×13 Franken. Auch okay. Dann Fahrt zum Bahnhof, Bahnticket für den 4.7. nach Luzern gekauft. Und dann mit dem Reiseführer in der Hand durch die schöne Altstadt getigert. Die ist sehr verwinkelt, viele kleine, steile Gässchen, von oben immer mit herrlicher Aussicht auf den Zürichsee und die zunehmend sichtbaren Berge. Gegen Mittag kommt der kleine Hunger. Wir haben zum Glück noch Brot und Würstchen im Rucksack. Ein Crêpe: 9 Franken, Bratwurst: 7 – 9 Franken, eine Kugel Eis: 3 – 4 Franken, ein Schaschlikspieß 14,5 Franken. Da legt sich der Hunger von selbst. Wir flanieren staunend am Seeufer lang, vorbei an Parks, Hotels, schicken Läden, altmodischen Bädern. Auffallend sind die vielen jungen Schlipsträger und die großen Autos und die unzähligen Schmuck- und Uhrengeschäfte. Obwohl es Unmengen von Restaurants gibt (Haus zum Rüden), sieht man sehr viele Berufstätige mit irgendwelchen Snacks und Fertiggerichten. Unser zweiter Teil des Zürich-Besuchs führt uns mit der Uetlibahn auf den Hausberg Zürichs, den Uetliberg. Um die 850 Meter hoch. Von dort wanderten wir ca. 2,5 Stunden oberhalb des Sees auf dem Kamm entlang bei herrlichstem Sommerwetter. Was für eine Aussicht! Eine Seilbahn brachte uns wieder ins Tal. Und das alles mit unserer Tageskarte. Wieder in der Innenstadt gab es dann noch den dritten Programmpunkt: die kleine Rundfahrt auf dem Zürichsee. Traditionell wählten wir ein flaches Boot, wie wir es aus Kopenhagen, Amsterdam und Malmö (dort ohne Dach) kannten. Und auch hier galt das Tagesticket plus 2×5 Franken Zuschlag. Zum Tagesausklang gab‘s ein Magnum Eis für 3 Franken. Im Supermarkt kann man durchaus einiges kaufen, da wirken die Preise nicht ganz so entsetzlich. Ziemlich geschafft fielen wir im Hotel in unser Bett, zum Abendbrot gab es Brot von Zuhause mit Käse und Wein.

Luzern

Mit der S-Bahn geht es in einer Stunde nach Luzern, unserem neuen Ziel. Schönes Wetter, hohe Berge, wunderbare Seen und eine riesige Regattastrecke entlang der Fahrt. Unser Ibis-Hotel sehen wir vom Zug aus, dahin zu gelangen war dann zu Fuß doch etwas beschwerlich, aber im Hotel gab es dann für die Zeit unseres Aufenthalts ein kostenfreies Ticket für den ÖPNV im gesamten Stadtgebiet. Bezahlt werden musste gleich und unsere beiden Karten, die für den Urlaub extra angeschafft wurden, weil gebührenfreies bezahlen möglich ist, funktionierten nicht. Während Uwe lange am Rechner arbeitete, um das wieder zu reparieren, suchte ich im Reiseführer nach dem Programm und gegen 14 Uhr konnten wir starten. Zuerst ging es in die Altstadt zum Wahrzeichen Luzerns, der hölzernen Kapellenbrücke. Uns empfingen Hitze, Lärm, Straßenbau und Touristenmassen. Witzig: auf der Brücke gibt es einen Souvenirstand, der echt Erzgebirge verkauft: Nussknacker, Räuchermänner, Schwibbbögen. Sauteuer. Schnell waren wir pflastermüde, deshalb kam Programmpunkt 2 zum Zuge: mit dem Obus fuhren wir in den Stadtteil Obergütsch und spazierten auf dem Sonnenberg, von dem es einen grandiosen Ausblick auf die Stadt, den Vierwaldstättersee und die Berge drumrum gab. Alles sah aus wie gemalt, fast unwirklich. Mit einer kleinen blauen Standseilbah ging’s wieder ins Tal und mit einem schicken, klimatisierten Bus ins Zentrum. Alles umsonst, das war cool. Der Bus fuhr bis zum Löwendenkmal, angeblich einem der berühmtesten Denkmäler der Welt! Ein riesiger, in einem Steinbruch gehauener sterbender Loewe erinnert an die Schweizer Gardisten, die während der französischen Revolution beim Sturm des Volkes auf die Tuiellerien gestorben waren. Unglaubliche Mengen von hauptsächlich asiatischen Touris strömen dahin, zücken das Smartphone oder Tablet, knipsen, machen ein Selfie und gehen wieder. Überhaupt gibt es in der ganzen Stadt viele Asiaten, viele Menschen mit dunkler Hautfarbe und ein vielfältiges Sprachengewirr. Das Servicepersonal, egal wo, spricht Englisch, um alle zu erreichen. Nach dem Löwen schlenderten wir noch lange am See -wie mondän(!)- entlang, kamen am Verkehrshaus -Europas größtem Verkehrsmuseum- vorbei, was jedoch 18 Uhr schloss und 30 Franken Eintritt pro Person kostet und damit schweren Herzens von Uwe abgewählt werden musste. Dafür gab’s ein Eis vom Kiosk, was wir am See aßen und noch lange den Leuten beim Baden und Picknicken zuschauten. Wir fragten uns, was ist aus einem macht, wenn man in so eine Stadt hineingeboren wird. Man sieht nur gut gekleidete Menschen hier, viele junge vor allem. Auch hier gibt es viel Business, an jeder Ecke ein Uhrengeschäft, große Autos. Wo leben die, die hier nicht mithalten können? Am Bahnhof sitzen ein paar Suffkes und Obdachlose, aber alles in Maßen.

 

Pilatus

Sonne satt. Frühstück für 12 Franken in unserem Ibis Budget. Brötchen, Käse, Wurst, Eier zum Selberkochen, Joghurt, Müsli. Kaffee aus dem Automaten und von allem, so viel man mag. Nicht sehr gesund, nicht sehr lecker, aber zum sattwerden. Und dann ging’s los zum Tagesausflug: mit dem Zug nach Alpnachstad, von dort mit der steilsten Zahnradbahn der Welt auf den Pilatus (2130 Meter). War das grandios! 48% Steigung, fast klare Sicht, Sonne satt und ein 360°-Blick auf die Alpen. Unglaublich! Wenn der Urlaub jetzt zu Ende wäre, hätte es sich gelohnt. Wir staunten wie die Kinder. Oben auf dem Berg ist alles sehr touristisch ausgebaut, da gibt es sogar ein Hotel! Wir bestiegen wie alle anderen Touris alle Aussichtspunkte und wanderten 40 Minuten einen Blumenpfad entlang zum Nachbargipfel und guckten und guckten. Der Abstieg ging ganz schnell mit der neuen Seilbahn Dragonride. Wahnsinn! Und Highlight: Uwe entdeckte tatsächlich noch einen Steinbock! Nach dem „Drachen“ brachte uns eine lange normale Seilbahn ins Tal. Wieder in der Stadt besorgten wir die Fahrkarten für unsere Weiterreise. So viel Service Personal auf den Bahnhöfen! Und zur Feier des wundervollen Tages gab es ein Stück labbrige, dann später donnerharte Pizza aus dem Coop und ein Dosenbier, dazu WLAN vom Kulturzentrum. Wir saßen noch lange am Quai, sahen auf den See und waren sehr glücklich.

Lugano

Abreise aus Luzern bei strahlendem Sonnenschein ab Ableger Nummer 1 mit dem Schaufelraddampfer „Stadt Luzern“. Unsere Reise nach Lugano beginnt mit einer circa vierstündigen Fahrt über den Vierwaldstättersee. Traumhaft! Erwischen ein schattiges Plätzchen, werden von unglaublich netten Stewards umsorgt und genießen. In Flüelen steigen wir in den Gotthardexpress um. Schade, nur in der ersten Klasse gibt es Panoramafenster. Aber da der Zug fast leer ist, dürfen wir in Wagen 4 wechseln, der zwar recht altmodisch ist, aber über zu öffnende Fenster verfügt. Der Zug schraubt sich über den Gotthardpass, aber die meisten Kehren finden im Tunnel statt, schade. Trotzdem ein grandioses Erlebnis. Unterwegs stellen wir fest, dass es wohl auch möglich gewesen wäre, die gleiche Strecke mit einem normalen Linienzug zu fahren. Und das für einen Bruchteil des Geldes. Die Animation über den Tunnelbau hätten wir dann zwar nicht erlebt, aber die rechtfertigt den hohen Preis ebenso wenig wie das Stück Schokolade, was der nette Zugbegleiter brachte. Lugano liegt im Tessin, also dem südlichsten Schweizer Landesteil. Gesprochen wird hier nur italienisch. Auch alle Hinweisschilder sind italienisch und wir verstehen kein Wort. Draußen empfängt uns unglaubliche Hitze, Lärm und Baustellendreck. Wir entlocken dem Automaten mit einiger Mühe ein Kurzstreckenticket, fanden mit ebensolcher die richtige Haltestelle und kurz danach auch unser Hotel. Wieder ibis Budget, diesmal etwas geräumiger als das in Luzern. Erstmal brauchten wir was zum Abendbrot, und da Uwe von den ständigen Weißmehl-Brötchen ziemliche Magenprobleme hatte, griffen wir im Migros zu einem Schälchen Kartoffelsalat für 5 Franken und einem dunklen Baguette für mich. Beides vertilgten wir am Luganer See zusammen mit ein paar donnerharten Plattpfirsichen im Angebot. Uwe freut sich auf ein Bier, aber der Migros führt keinen Alkohol. Mehr war in diesem Abend nicht möglich, die Hitze tat ihr übriges.


Bernina nach Scuol

Schon am frühen Morgen, 08:52 Uhr, fuhren wir mit dem Linienbus zum Bahnhof. Besser gesagt, wir ruckelten uns im Stau durch die verstopften Straßen. Wieder einmal waren wir froh über unsere Art des Reisens. Das Frühstück im Hotel war sehr lecker angerichtet, Uwe isst jetzt Müsli mit Joghurt -eine Sensation! Kurz vor 10 fand sich eine illustre Reisegruppe am Abfahrtsstand des Bernina Busses ein -wieder einige Asiaten, aber auch Deutsche. Nicht ganz pünktlich, aber ganz gut gefüllt ging es auf ins italienische Tirano. Erst am Luganer, dann am Comer See entlang und die letzte Strecke entlang hoher steiler Weinberge des Veltlins. Von Tirano sahen wir nur die Piazza voller Imbissrestaurants und Touris. Wir sparten unsere Euros und warteten auf dem Bahnsteig auf die Abfahrt des Bernina-Expresses. Auch hier hätte man mit dem normalen Linienzug fahren können. Wie der Reiseführer schrieb: man hat ständig das Gefühl, zu viel bezahlt zu haben… Diesmal gab es für alle Panoramafenster, eine gut verstehbare Erklärung während der ganzen Strecke und einen sehr erfrischenden Stewart Alex, der Kaffee für 4,50 Franken, Espresso, Grappa und Engadiner Nusstorte an die Gäste bringen wollte. Der Grappa ging ganz gut… Die Fahrt fing schon spektakulär an, als sich der Zug über mehrere Kreisel in kürzester Zeit in schwindelerregende Höhen schraubte. Unglaublich tolle Aussichten eröffneten sich uns. Der Berninapass ist über 3000 Meter hoch, wir passierten zum Beispiel die Wasserscheide von Schwarzem und Adriatischem Meer, fuhren an einem Gletscher vorbei und oft unglaublich nah am Abgrund. Die Zeit verging wie im Flug, kein Vergleich mit dem Gotthardexpress und allem, was wir vorher gesehen haben. Diese Reise kann man nur weiterempfehlen. Übrigens fuhren wir zum ersten Mal mit einer in der App gekauften Fahrkarte. Das letzte Stück unserer Tagesetappe von Sankt Moritz über Samedan nach Scuol. Dort fanden wir recht schnell unsere Ferienwohnung im Ferienpark Tulei -einem terrassenförmig angelegten Haus am Südhang. Der Vermieter war sehr aufmerksam, freundlich und Gentleman-like- und die Wohnung erst: spitze! Ganz schick, hochwertig und modern eingerichtet, mit einem sagenhaften Blick vom Balkon. Hier würden wir es gut ein paar Tage aushalten, so viel stand fest. Zum Abend gab es noch ein bisschen Brot mit Wein und recht bald ein weiches Bett.

 

Scuol

Das Tal soll das schönste in Graubünden sein. Wir legten aber erst einmal einen Ruhetag ein. Schliefen lange, tranken einen Malzkaffee, gingen dann einkaufen: Müsli, Joghurt, Wasser, Kartoffeln, Quark, Salz, Nudeln und Tomatensauce -ca. 43 Franken. Nach der Siesta sahen wir uns den malerischen Ort mit einer Art Photo-Orientierungslauf an. Obwohl wir nicht alle Aufgaben fanden oder lösen konnten, hat das Spaß gemacht. Die alten Teile der Ortschaft wirken wie ein Museum, wunderschön. Die alten Häuser sind mit Skraffito-Malerei verziert und besonders hübsch sind die Fenster. Tolle Fotos gemacht, vor allem vom Inn, der in Hörweite unserer Wohnung türkisblau vorbei rauscht. Zum Abend gab es Pellkartoffeln mit Butter und leckerem Quark und ein Gewitter, das uns vom Balkon vertrieb.

Scuol-Tarasp

St. Moritz

Zermatt

Montreux

Interlaken

Basel

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